Zeitgenössischer Derwisch Tanz - 'Dem Unbekannten begegnen'

 

Für die tanzenden Derwische ist das 'Whirling', die permanente Rotation um die eigene Achse ein Mittel, um im Rahmen des Sufismus, der islamischen Mystik, zu mehr Erkenntnissen über sich selbst zu kommen.

Der Derwisch Tanz, wie die Sufis ihn in seiner spezifischen Form an Symbolik, Gestik und Kleidung praktizieren, ist dabei eine Möglichkeit.

 

Der Kreis, bzw. die Rotation ist eine Ur-Form der Bewegung und kann als Beweguns-/Tanzkunst oder Meditation ebenso 'frei' praktiziert werden, ohne spezifischen religiösen Glauben oder traditionellen Hintergrund.

 

Während des Drehens finden unterschiedliche Wahrnehmungveränderungen statt:

Das Auge kann nicht mehr fokussieren oder wie gewöhnlich sehen, unserem Gleichgewichtssinn (Vestibularsystem) können wir nicht mehr vertrauen, da seine an unser Gehirn weitergeleiteten Informationen nicht mehr sinnvoll sind.

Diese Veränderungen werden durch die anhaltende Zentrifugalkraft und damit einhergehende starke physische Beschleunigung hervorgerufen.

Das endokrine System, die gesteigerte Atmung, der Blutkreislauf und das Nervensystem laufen im Wechselspiel miteinander auf ungeahnten Hochtouren und setzen dabei enorme biochemische Prozesse frei. Zustände wie diese haben uns schon immer fasziniert !

 

Im fortwährenden, aktiven Drehen können wir uns auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnis und zugleich unserer Intuition in beiden dieser Räume frei bewegen. Es kann sich uns dabei eine umfassendere Wahrnehmung eröffnen, die uns auf natürliche und organische Weise körperliche, mentale und emotionale Transformations-Prozesse ermöglicht. Jeder Tanz ist eine individuelle Reise und kann uns näher zu uns selbst, bzw.zu unserem Kern führen.

 

Der Drehtanz kann uns Neues über noch unbekannte Zusammenhänge zwischen Psyche und Physis des Menschen liefern.

Er kann speziefische Wahrnehmungsveränderungen, sowohl im Ausführenden, als auch Zusehenden hervorrufen.

Beispielsweise betrifft dies die Intensivierung von Gefühlen, was sowohl in rituellem Rahmen, als auch in der modernen Tanztherapie vielfach funktionalisiert wird. Daneben kann er aber auch speziefische ekstatische Zustände, Meditations-und Trancezustände erzeugen oder zumindest unterstützen.

 

Video-Links, hier.

 

 

Wie wirkt der Tanz ?

 

Tatsächlich führt längeres Drehen um die eigene Achse zu einem veränderten Bewusstseinszustand, häufig zu einer kinetischen Trance.

Zeit- und Raumwahrnehmung verändern sich währendessen stark. Dabei werden die Sinne nicht ausgeschaltet, sondern im Gegenteil, eher intensiviert. In diesem Trancezustand sind die Grenzen zwischen Bewusstsein und unbewussten Informationen und Impulsen durchlässig. Vergessenes und Verdrängtes kann leichter ins Bewusstsein gelangen, was wiederum neue Sichtweisen und Perspektiven eröffnet.

Nicht zuletzt schult die Dreherfahrung die Achtsamkeit und damit eine wertfreie, mitfühlende Wahrnehmung, die bis in den Alltag hinein wirkt. Aus sufischer Sicht unterstützt die Trance des Drehtanzes die Heilung von Körper, Geist und Seele.

 

. Aktivierung und Energiesteigerung:

  Maximale Atmungsaktivität & intensive Aktivierung des Endokrin-/Nerven-& Blutkreislauf-Systems

 

. Stress-Regulation: Sowohl körperlich, als auch mental und emotional.

 

. Unsere Tiefensensibilität, die sog."Propriozeption", wird stark vertieft

 

. Balance & Zentrierung: Physisch, mental und emotional

 

. Schulung der Bewegunseffizienz (Minimaler Energieaufwand für ein maximales Energie-Level)

 

. Kenntnisse & Vertiefung im Umgang mit mentaler und physischer Aufmerksamkeit. Fokus-Training.

 

. Intensivierung, bzw. Verfeinerung und Erweiterung von Wahrnehmung an sich. Bewusstheit.

 

. Die Wirkung der Zentrifugalkraft & immensen Beschleunigung bringt Wahrnehmungsveränderungen mit sich:

  Bzgl. Raum und Zeit, Körper und Geist. Transformationsprozesse.

 

. Steigerung der Bewegungseffizienz, Mobilität, Stabilität:

  Effekte und Erfahrungen, die im Whirling gemacht werden, können in andere, eigene Tanz-/Bewegungs-Stile oder allgemein, andere Lebensbereiche  

  integriert werden und unterstützend wirken.

 

. Rituelle Wirkkraft

 

. Förderliche Prozesse, Lösungsprozesse körperlicher, emotionaler, sowie mentaler Art, werden in Gang gesetzt

 

. Persönliche Grenzerweiterung: Natürlicher Umgang und Integration ungewohnter Erfahrungen, Herausforderungen, Stress, Ängste.

 

. Mutig und bewusst Unbekanntem, 'neuem Terrain' begegnen:

  Mit ungewohnten, herausfordernden Situationen natürlich & neugierig, statt ängstlich umgehen; diese „meistern“.

 

. Hingabe: "Kontrollierter Kontrollverlust"

 

. "Fliegen":

   Durch die Zentrifugalkraft + starke Beschleunigung wirkt Geschwindigkeit in zweifacher, unterschiedlicher Form auf uns ein:

   äußerlich + innerlich. Wir haben dadurch verschiedene Wahnehmungen, Eindrücke von Geschwindikeit und damit auch Effekte.

 

. Klarheit + Präsenz in Körper & Geist.

 

. Ruhe, Stärke, Stabilität, Gelassenheit

 

. Ausdruckskraft

 

. Vertrauen, Hingabe

 

. Freude, Befriedigung, Zufriedenheit,

 

. Euphorie, Ekstatse, Trance

 

 

 


 

"...dieser Prozess rief mich ständig zu höchster Aktivität und Bewusstheit auf, obgleich das ununterbochene Kreisen mich andererseits zu einem Verströmen in das Nichtwissen mit derselben Kraft hinüberrief. Diese Spannung zwischen Verströmen und Sammlung, zwischen Hingabe und Kontrolle, zwischen Dynamik und Statik durchzuhalten, führte zeitweise zu so kritischen Augenblicken,

das man "drei Tode" zu sterben glaubte."